Ich statt Du – Der Game-Changer für Feedback

Eins meiner Lieblingsinhalte in Workshops zum Thema Feedback nehmen & geben sind die Ich-Botschaften. Sie klingt so leicht, ist aber unfassbar schwierig zu meistern, besonders wenn es um spontane Reaktionen auf das Verhalten anderer geht. Da rutscht das „Du“ ganz schnell mal raus…

Wenn wir uns häufiger mit der Ich-Botschaft befassen, dann kann uns das ernorm dabei helfen, Feedback zu geben, das bei unserem Gegenüber auch wirklich ankommt. Deshalb gebe ich euch heute eine kleine Inspiration dazu.

Ihr kennt das bestimmt: Jemand erscheint nun schon mehrfach zu spät zu einem von euch gehosteten Termin. Wie reagiert ihr? Sprecht ihr die Person direkt an oder geht im Nachgang auf sie zu? Was sagt ihr dann in so einem Fall? Vielleicht kommt spontan so ein Satz hier: „Hej, das ist schon das dritte Mal, dass du zu spät kommst!“, oder noch etwas verärgerter „Du kommst immer zu spät!“.

Irgendwie ist die Reaktion verständlich. Aber was löst sie beim Gegenüber aus? Im Grunde ist das ja ein direkter Angriff auf die Person. Im Zweifel ernten wir kein verständnisvolles „Entschuldigung, die Bahn ist ausgefallen“, sondern eher eine abwehrende Haltung. Was also tun, damit die Botschaft ankommt?

Wenn wir es uns angewöhnen, die Situation mit einer Ich-Botschaft wiederzugeben, dann erreichen wir damit gleich zwei Dinge:
1. Wir nehmen den Angriff aus der Botschaft heraus und
2. lernen immer auch etwas über uns selbst, nämlich warum uns dieses Feedback gerade so wichtig ist.

Wenn wir aus unserer eigenen Ich-Perspektive formulieren, dann wird uns und unserem Gegenüber erst klar, was das eigentliche Thema für uns ist. Eine Ich-Botschaft ist allerdings nicht nur ein Satz, der mit „Ich“ beginnt. Ganz so simpel ist es dann leider doch nicht. Ich-Botschaften transportieren immer auch unsere eigenen Emotionen und das fällt vielen schwer: Gefühle in Worte zu fassen, oder überhaupt erst zu identifizieren. Viele von uns sind gar nicht so spontan in der Lage, das eigene Gefühl zu formulieren, das durch diese Situation entstanden ist. Wenn es euch auch so geht, dann schaut doch mal auf das Feelings Wheel. Es kann uns sehr dabei helfen unsere Gefühle differenzierter einzuordnen und wirklich zu verstehen – am besten, bevor wir jemandem ein Feedback geben.

Wenn du in deinem Feedback vermitteln kannst, welches Gefühl das Verhalten der anderen Person in dir auslöst und welche Auswirkung es auf dich hat, dann kann dein Gegenüber dich besser verstehen und wird vermutlich auch eher auf deinen Wunsch eingehen.

Für eine gute Ich-Botschaft kannst du dir die folgende Formel merken:
Ich + Gefühl + beobachtetes Verhalten des Gegenübers + Auswirkung auf mich + mein Wunsch an dich
Und mit etwas Übung fallen dir die Ich-Botschaften mit der Zeit immer leichter. Bei meinem Beispiel „Du kommst immer zu spät“, könntest du zum Beispiel auch sagen: „Ich bin frustriert, wenn du zu spät kommst, denn ich habe dann das Gefühl, dass meine Zeit nicht respektiert wird. Kannst du bitte in Zukunft pünktlich sein?“

Gern begleite ich euch im Rahmen eines Feedbackworkshops oder einer Teamentwicklung bei der Erarbeitung dieser Ich-Botschaften und dem gewaltfreien Geben von Feedback!